Ein Parfüm ist Poesie ohne Worte

Ein Parfüm ist Poesie ohne Worte
Der Duft-Designer Michael Förster erläutert im Interview, wie Männer das richtige Parfüm finden und welche Mythen falsch sind. Er fordert, dass Parfüms wieder als das angesehen werden, was sie sind: Kunstwerke.

Mit männ­li­chen Düf­ten asso­zi­ie­ren vie­le hol­zig-her­be Duft­no­ten. Zu Recht?
Dass hol­zig-her­be Noten nur in Män­ner­par­füms vor­kom­men ist ein Mythos. Man fin­det sie auch in Frau­en­par­füms, etwa Sam­s­a­ra von Guer­lain. Aller­dings haben sie sich bei den Frau­en nicht so durch­ge­setzt wie bei den Män­nern.

Gemäss einer Stu­die ver­mit­teln her­be Düf­te Serio­si­tät. Sind sie daher eher fürs Büro geeig­net als für den Aus­gang?
Das kommt drauf an. Ich plä­die­re immer dafür, dass Män­ner Düf­te tra­gen, die ihnen gefal­len, mit denen sie sich im Moment wohl­füh­len. Das kann auch im Büro durch­aus ein zitrisch-fri­scher Duft sein. Was wich­tig ist, ist jedoch, es nicht zu über­trei­ben. Wenn einen noch die Kol­le­gen vom Neben­bü­ro zu rie­chen ver­mö­gen, dann ist das denen läs­tig. Genau­so im Restau­rant, wenn das eige­ne Par­füm auch zwei Tische wei­ter noch wahr­ge­nom­men wird. Weni­ger ist manch­mal mehr.

Pra­da
Luna Ros­sa ist ele­gant und modern zugleich. Laven­del, Zitru­ses­sen­zen von Ber­ga­mot­te und Patchouli gehen eine fri­sche Ver­bin­dung mit Ambro­xan ein. Das Set ent­hält ein EdT, 150ml, mit tren­di­gen Beu­tel.

Lacos­te
Match­point wur­de vom Ten­nis inspi­riert, vom Moment, wenn es beim Match­ball um den Sieg geht. Basi­li­kum und Enzi­an sor­gen für Span­nung, Veti­ver und Cash­meran für Action.

In der Wer­bung wird der Mann, der ein Par­füm ver­wen­det, häu­fig als Rebell oder ver­we­ge­ner Kerl gezeigt. Rie­chen denn Män­ner­par­füms nach Aben­teu­er?
Män­ner sind heu­te immer noch sehr stark in ihrer sozio­kul­tu­rel­len Rol­le gefan­gen, zum Bei­spiel in ihrem Vater­da­sein, im Geschäft, aber auch in der Part­ner­schaft. Das Unan­ge­pass­te, wonach sie sich seh­nen, ist Authen­ti­zi­tät. Sie wol­len sehr ger­ne nur sie selbst sein und kei­ne Rol­le aus­fül­len müs­sen. Dabei hel­fen ihnen Par­füms, weil sie ihre Per­sön­lich­keit unter­strei­chen.

Wel­che Duft­stof­fe sind bei Män­ner­par­füms der­zeit beliebt?
Ambro­xan, ein syn­the­ti­scher, aber sehr teu­rer Duft­stoff. Es han­delt sich um eine war­me, hol­zi­ge Note. Man fin­det ihn in allen aktu­el­len Par­füms.

Boss
Bot­t­led Eau de Par­fum ist eine inten­si­ve und auf­re­gen­de Wei­ter­ent­wick­lung von Bot­t­led EdT, die die bekann­ten Inhalts­stof­fe kom­plett neu inter­pre­tiert. Ab 1. Sep­tem­ber 2020 erhält­lich.

Jean Paul Gaul­tier
Le Mâle le Par­fum ist wie eine Sturm­war­nung. Kar­da­mom sorgt für Action, Laven­del für Tie­fe und Natür­lich­keit, Vanil­le für Ver­füh­rung.

Vie­le den­ken, dass ech­te Duft­stof­fe bes­ser sind als syn­the­ti­sche. Lie­gen sie falsch oder rich­tig?
Es gibt syn­the­ti­sche Duft­stof­fe, die natür­lich nicht vor­kom­men, die sehr gut sind. Echt ist dann bes­ser, wenn man zwi­schen syn­the­tisch und echt wäh­len kann, wenn also bei­de Vari­an­ten vor­kom­men. Aller­dings gibt es manch­mal sehr gute Grün­de, war­um den­noch syn­the­ti­sche Stof­fe ver­wen­det wer­den. Bereits in den 1920er-Jah­ren einig­ten sich die Par­füm­häu­ser, aus Grün­den des Tier­schut­zes nur noch syn­the­ti­schen Moschus zu ver­wen­den. Hät­ten sie das nicht getan, wären die Moschus­hir­sche heu­te aus­ge­stor­ben.

Seit eini­gen Jah­ren sind Uni­sex-Düf­te beliebt. Was hal­ten Sie davon?
Ursprüng­lich waren Duft­was­ser nicht für ein Geschlecht kon­zi­piert. Ich hal­te heu­te noch nicht viel davon, zwi­schen Düf­ten für Män­ner und Düf­te für Frau­en zu unter­schei­den, weil ich gegen Kate­go­ri­sie­run­gen bin. Jeder soll das Par­füm fin­den, das zu sei­ner Per­sön­lich­keit passt, das ihn inspi­riert, mit dem er sich wohl­fühlt. Es gibt sogar Her­ren­düf­te, bei denen man weiss, dass sie zu mehr als 50 Pro­zent von Frau­en ange­wen­det wer­den. Der Kon­su­ment mag es aller­dings, wenn er gelei­tet wird. Vom Mar­ke­ting her macht die Unter­schei­dung daher Sinn.

Mer­ce­des-Benz
Select Day ist ein hol­zi­ger Duft, der sein natür­li­ches Cha­ris­ma unter­streicht. Er ist einer­seits klas­sisch, ande­rer­seits bele­bend, erle­sen und sehr männ­lich.

Mer­ce­des-Benz
Tra­vel Collec­tion ist mit 20 ml ein idea­ler Rei­se­be­glei­ter und in den Duft­rich­tun­gen Club, Club Black, Man, The Move und Select erhält­lich.

Wie fin­det Mann ein Par­füm, das zu ihm passt?
Die Ant­wort ist banal: Man soll sich auf die eige­ne Nase ver­las­sen. Man muss rie­chen. Ob man einen Duft mag oder nicht, weiss man sofort. Düf­te haben eine sehr star­ke emo­tio­na­le Kom­po­nen­te. Man ent­schei­det sich nicht mit dem Kopf für einen Duft, son­dern gemäss sei­nen Gefüh­len. Ich sage immer: Man soll sich selbst ger­ne rie­chen. Wenn man auf den rich­ti­gen Duft trifft, dann weiss man das.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie einen Duft ent­wi­ckeln?
Es kommt dar­auf an. Manch­mal las­se ich mich inspi­rie­ren. Bei Cool Water vom Was­ser, vom Meer, das ich lie­be, von der Far­be blau. Man macht immer auch ein Kon­zept. Wich­tig ist auch, dass der Duft zum Mode­haus, für das man den Duft ent­wi­ckelt, passt. Opu­len­te ori­en­ta­li­sche Noten für einen Desi­gner, der für sei­ne redu­zier­te Mode bekannt ist – das ist kei­ne gute Idee.

Zegna
Clas­si­co über­zeugt mit einer Mischung aus erfri­schen­der Ber­ga­mot­te, Ros­ma­rin, Hei­del­bee­re, Kaschmir­holz, Patchouli und Eiche.

Wel­che Wün­sche haben Sie für die Par­füm­in­dus­trie?
Düf­te haben eine unglaub­li­che Bana­li­sie­rung erfah­ren. Über­all wird beduf­tet, in U‑Bahnstationen, in Super­märk­ten. Man kann ruhig sagen, dass wir eine «Über­duf­tung» haben. Das führt zu einer dau­ern­den Über­rei­zung. Gleich­zei­tig wur­den Düf­te zu einem Gebrauchs­ge­gen­stand degra­diert. Ich wür­de mir wün­schen, dass Par­füm­häu­ser ihren Krea­teu­ren wie­der genug finan­zi­el­le Mit­tel zur Ver­fü­gung stel­len wür­den, um mit den bes­ten Roh­stof­fen der Welt Kunst­wer­ke erschaf­fen zu kön­nen. Ich selbst nen­ne mich nicht Par­fü­meur, son­dern Duft-Desi­gner. Wer Par­füms ent­wi­ckelt, soll wie ein Künst­ler agie­ren. Denn Par­füms sind Poe­sie ohne Wor­te. Also Kunst.

Der Duft-Desi­gner Micha­el Förs­ter
Micha­el Förs­ter ist seit vie­len Jah­ren Duft-Desi­gner. Sein ers­tes Werk war Zino von Davi­doff. Dabei durf­te er den legen­dä­ren Zino Davi­doff ken­nen­ler­nen. Sein gros­ser Erfolg war Cool Water von Davi­doff. Förs­ter war dabei für die Lan­cas­ter Group tätig. In die­sem Zusam­men­hang ent­wi­ckel­te er auch alle Wolf­gang Joop-Düf­te. «Ich durf­te gros­se Erfol­ge fei­ern und hat­te eine gute Tref­fer­quo­te. Dane­ben habe aber auch ich Düf­te gemacht, die nicht funk­tio­niert haben», sagt er.